Karnevalissimo V
Sünde
Herzliche Einladung zur Eröffnung am Sonntag, 01. Februar 2026, um 11:30 Uhr!
Ausstellung/Veranstaltung der AG Leverkusener Künstler
BiKo Heiderose Birkenstock-Kotalla | Michael Bork | Karl-Karol Chrobok | Theresa Dohmen | Elke Driftmeier | ELOBA Ellen Loh-Bachmann | Thomas Ernst | Ulla Klomp | Norbert Küpper/Ursula Knorr | Carsten Ludwig | Jan W. Matthiesen | Michael Salge | Helga Santel | Havva Sari | Wolfgang Schumacher | Angelika Strobach | Axel Weishaupt | Cara Wilmanns | Klaus Wolf
Gäste: Jil Anders | Jürgen Heinze | Peter Kaczmarek
Begrüßung/Einführung: ELOBA Ellen Loh Bachmann | AG-Vorsitzende
Eröffnung: Prinz Rogério I mit Gefolge
Festrede: Klaus Wolf
Für die musikalische Unterhaltung sorgen Brigitte Riviera & Band!
Außerdem verwöhnt Sie die Künstlergemeinschaft wie immer mit Getränken und mit von den Künstler*innen eigens gekochten Suppen. Und wie auch in den Vorjahren präsentieren wir die Bilder der Kinder der Opladener Grundschulen zum Malwettbewerb „Met Dun un Laache künne mer alles maache!“, ausgelobt vom Komitee Opladener Karneval.
Die Eröffnungsveranstaltung am 01.02.2026 endet um 16:00 Uhr.
Der Eintritt ist frei.
Galerie Künstlerbunker | Karlstr. 9 | 51379 Leverkusen / Opladen
Öffnungszeiten bis einschließlich 18.02.2026: Mi, Fr, So von 16:00 bis 18:00 Uhr
Kehraus-Finissage mit einem Abgesang von Peter Kaczmarek am Aschermittwoch, 18.02.2026, ab16:00 Uhr!
info@AGLeverkusenerKuenstler.de | www.AGLeverkusenerKuenstler.de
www.facebook.com/ag.leverkusener.kuenstler
Begrüßung
Liebe Gäste, liebe Jecken,
ein herzliches Willkommen euch allen zusammen!
Wir stehen heute hier als Vorstand der AG und wünschen Ihnen einen wundervollen Kunsttag!
Heute wird gefeiert mit Kunst und Gloria!
Heute lassen wir die Farben tanzen, die Formen flirten und die Fantasie Purzelbäume schlagen.
Zur fünften Karnevalissimo-Kunst-Show! Sünde!Unsere Künstlerinnen und Künstler haben genau das eingefangen – mal frech, mal tiefgründig, mal so bunt, dass selbst der Teufel vor Neid errötet.
Also: Lasst euch verführen, inspirieren und zum Lachen bringen.
In diesem Sinne – auf die Kunst, auf die Sünde und auf die fünfte Jahreszeit: Alaaf
Und lasst uns zusammen Prinz Rogério mit seinem Gefolge begrüßen!
Prinz Rogério Alaaf!
Leverkusen Alaaf!
Künstlerbunker Alaaf!
Büttenrede: Eloba als Museumsführerin zu den Exponaten
Karnevalissimo V – Sünde | Ausstellungseröffnung 01.02.2026
Büttenrede: Eloba als Museumsführerin zu den Exponaten
Alaaf, ihr Jecken!
Herzlich willkommen zur offiziellen Museumsführung durch die Sünde.
Ich bin heute Ihre Museumsführerin.
Man erkennt mich daran, dass ich alles weiß, alles erkläre und trotzdem keine Schuld übernehme.
Das ist übrigens auch die offizielle Definition
von Führungskraft.
Meine Assistentin Cara Willmanns
Ihres Zeichen Künstlerin,
aber da die Kunst ja bekanntlich brotlos ist,
auch Museumsführerin im Vonderheid Museum,
und heute Mitarbeit hier… 😉
Alle Exponate und Künstler
finden Sie in meinem Essay –
druckfrisch in unserem Museumsshop!
Sie müssen nichts kaufen,
auch keine Kunstwerke,
aber das wäre ganz schön sündig von Ihnen.
Das Leben ist voller Versuchungen –
Und zu einer sündigen Ausstellung gehört natürlich die Sünde in Person. Zum Beispiel eine sündig schöne Frau.
Hier bin ich….
Station 1 – Die Ursünde
Bitte bleiben Sie zusammen.
Wer hier verloren geht, taucht sonst später im Erotik-Kabinett wieder auf.
Als Erster in unserem Museum war Michael Salge mit seinen scherenschnittartigen Cut-out-Figuren.
Zwei Menschen, ein Paar, bereit zum Aufbruch, nur diese eine Frage im Kopf:
„Zu mir oder zu dir?“
Und da frage ich Sie rein wissenschaftlich, museumspädagogisch:
Kann denn Liebe wirklich Sünde sein?
Wenn ja, dann ist halb Köln seit Jahrzehnten auf Bewährung unterwegs.
Station 2 – Schuld abladen leicht gemacht
Seit Menschengedenken beschäftigen wir uns mit der Sünde.
Was ist erlaubt? Was ist zu viel?
Und wie kommt man wieder raus aus der Nummer? Siehe Michael Salge.
Die Kirche hat dafür ein ganzes System.
Sünde – Erbsünde – Beichte – Buße – Absolution
und zur Sicherheit noch `ne Taufe obendrauf.
Das funktioniert seit 2000 Jahren.
Na ja, also so mittel.
Wir im Rheinland haben: den Nubbel.
Bitte hier entlang zu Wolfgang Schumacher, zur Nubbelverbrennung.
Hinter dem Nubbel ein stilisiertes Kreuz, davor Konfetti, und zusammen ergibt das die 11,
die Zahl der Jecken.
Und der Nubbel?
Der steht für alles, was wir nicht gewesen sein wollen – aber trotzdem gemacht haben.
Der Nubbel ist schuld!
Praktisch auch für Beziehungen.
Ich war’s nicht – der Nubbel.
Er ist die externe Festplatte unseres Gewissens. Alles drauf – Aschermittwoch: gelöscht.
Station 3 – Die 7 Todsünden zum Schlecken, Feiern, Wundern
Jetzt wird’s süß. Thomas Ernst und die sieben Todsünden nach der berühmten Langnese-Magnum-Kampagne.
Sieben Todsünden.
Sieben Eisstiele. Und plötzlich hat die Hölle eine Tiefkühltruhe.
Die Kirchenvertreter haben sofort protestiert,
obwohl’s über die schon viel schlimmere Nachrichten gab.
Aber mal ehrlich: Wenn Habgier auf Vanille steht und Wollust auf Schokolade, dann ist das doch keine Blasphemie, keine Sünde, dann ist das
ein Dessert.
Im Rheinland gilt, was schmilzt,
zählt nicht.
Und daneben Hochmut pur: die Einkaufswagen-Aktion über der Büste von Vincenz Joseph Deyck am Fürstenbergplatz.
Kunstvandalismus – Superbia der Möchtegern-Künstler.
„Ist das Kunst oder kann das weg?“ Beantwortet sich da von selbst.
Und jener der meint, er sei frei von Sünde,
wird hier eines Besseren belehrt.
Denn feiern, das tut doch jeder gerne!
Elke Driftmeier:
Inmitten von all dem Glitzer-Konfetti und Punkteregen
die Skylines von Köln und Leverkusen
Hochburgen im Karneval.
Doch..doch.., Leverkusen auch 😉
Fest der Freude!
Carsten Ludwig:
Zwischen all den Sündern die Steigerung,
der 7-fache Sünder.
Was der angestellt hat,
überlasse ich Ihrem scharfen Blick.
Station 4 – Der Narr, die Sünde und der Karneval
Karl-Karol Chrobok: Der Karnevalist – 10 Linolschnitte.
Im Mittelalter war der Narr Symbol für Gottesferne, Chaos und Sünde.
Jan W. Matthiesen philosophiert dazu
bildnerisch unkonventionell
„Ist das Getrenntsein von Gott schon eine Sünde?“
Jil Anders:
Lässt die kleine Tonfigur durch den Dreck kriechen.
Der Sinner mit Narrenkappe –
im englisch-deutschen Wortspiel für Sinn und Sünde.
Eloba:
Der dreifache Prinz
zuerst Mally, dann Marco,
dann couragiert collagiert Prinz Rogério.
Alle guten Dinge sind drei,
beim nächsten Mal nicht mehr dabei.
Das Bild geht in den Ruhestand.
Im Museum sagen wir: Jedem Jeck sing Kapp.
Und manchmal tragen auch ganz normale Menschen eine Narrenkappe.
Vor allem in der Politik.
Der Unterschied zum Karneval
Hier weiß man, dass es eine Maske ist.
Mitsingen – jetzt Pflichtprogramm!
Bevor wir weitergehen, ein interaktiver Teil der Führung.
Bitte alle – auch die Kulturdezernenten und Künstler*innen – mitsingen!
…loss mer singe!
Wir sind alle kleine Sünderlein, ’s war immer so, ’s war immer so. Der Herrgott wird es uns bestimmt verzeih’n, ’s war immer, immer so.
Liebe Museumsbesucher,
nun befinden wir uns in der
Station 5 A – Jetzt wird’s politisch (und bitter)
Thomas Ernst:
Persiflage der egomanischen Möchtegern-Autokraten
und Erzsünder der Menschheit,
die sich am Weltfrieden versündigen.
Eine absurd verrückte Clown-Show.
Eloba:
Machthaber auf Kriegspfad,
Sinnbilder fortgesetzter Repression.
Corona-Virus als globale Macht.
Für Jacques Tilly Anklage in Russland.
So gefährlich kann Satire sein.
Axel Weishaupt: Der Geisterzug – fünfteilige Serie.
Hier marschieren sie: Habgier, Macht, Gewalt, Krieg.
Netanyahu verschmilzt mit Arafat. Trump mit Bolsonaro. Putin mit Assad. Epstein mit Savile.
Stalin mit Mao.
Mörder, Vergewaltiger, Lügner, Diktatoren – Todsünden auf zwei Beinen.
Die Vorstellung, dass man diese Figuren neu zusammensetzen, klonen könnte zu noch schlimmeren Untätern …
Um Gottes Willen!!!
Und dann noch: Avaritia – das Clown-Bild. Habgier und Kriegslust mit schwarzer Träne.
Die Träne ist echt – nur das Gewissen nicht.
Wenn Politik zur Zirkusnummer wird, werden Sünden Unterhaltung. Kriege laufen beim Abendessen –
wie Serien.
Station 5 B – Missbrauch, Gewalt, Wegsehen
Angelika Strobach
Hinter der äußeren Fassade
der reinen, unschuldigen Familie erblickt schon das Kind
mit angstgeweiteten Augen die Sünde.
Jil Anders: T.H.U.G. L.I.F.E. „The hate you gave little infants fucks everyone. “
Hass, Gewalt, ekelhafter Missbrauch. Systeme, die weggeschaut haben.
Carsten Ludwig: Nix sehen. Nix hören. Nix sagen.
Wenn du Umgang mit etwas Schlechtem hast,
dann schaue nicht darauf, dann höre nicht darauf,
dann sprich nicht darüber, tue es ganz einfach nicht.
Fernöstliche Weisheit fürs Ordnungsamt. Hat beim Verkehrssünder nicht funktioniert. Und global leider auch nicht.
Station 6 – Karneval gegen Krieg
Michael Bork: Gasmasken-Menschen gegen tanzende Karnevalisten.
Kanonen, die zerstören oder Kanonen, die Konfetti schießen.
Ich als Museumsführerin empfehle:
Konfetti. Immer Konfetti.
Trifft schlechter.
Aber fühlt sich besser an.
Helau und Alaaf
Gegen Hass und Krieg.
Vorsicht gefährliche Stufe,
nicht drüber stolpern!
Station 7 – Luxuria: die schöne Sünde
Jetzt kommen wir zu dem Teil, wo ich offiziell nur erkläre
und innerlich nicke, mich erfreue.
Jürgen Heinze: Ursünde – der Apfel, hochglanzpoliert, gefährlich, umgeben von Dornen.
Und Gier: Rost, Projektil, MCM-Branding, Luxusfetischismus trifft Gewalt.
Ein schmales Kreuz darüber – letzte moralische Instanz.
Wandel der Gedanken.
Ursula Knorr
Bacchus zieht ein:
Wein, Rausch, Ekstase.
Und plötzlich denkt keiner mehr an Buße –
sondern an Nachschlag
Norbert Küpper:
Am Karnevalssonntag getauft,
der kann ja gar kein Sünder sein 😉 Oder ein ganz Schlimmer?
Dionysische Farbigkeit, Ekstase, Italienliebe, „Rêve de Fontainebleau“.
Französisches Schloss mit
Italienischer Kunst.
Luxuria kann also auch: Kunst, Rausch, Leben.
Station 8 – Mythologie & nackte Wahrheit
Carsten Ludwig: Aktäon und Diana.
Er guckt. Sie erwischt ihn.
Er wird ein Hirsch. Und seine Hunde erledigen den Rest.
Luxuria – dramatisch, endgültig, mythologisch.
Station 9 – Lateinamerika & Lust
Die schöne Sünde,
die mit Lust, Farbe und Lebensfreude.
Eloba: Erotisches Triptychon. Üppige Körper, Samba lässt grüßen.
Südländische Festkultur.
Üppige Fruchtbarkeit. Kakaopflanze.
Voltaire, de Sade und Casanova
beschreiben
Schokolade als Aphrodisiakum.
Von Italien über Griechenland
bis nach Lateinamerika
Die Todsünden
Als reine Lebensenergie.
Ohne moralische Keule – nur die Frage:
Kann denn Liebe Sünde sein?
Ach, und das hätte ich ja beinahe vergessen!
Eins unserer berühmtesten Kunstwerke,
das Nagelwerk an der linken Wand dort.
Erzeugt bei jedem unserer Besucher größte Aufmerksamkeit.
Vielleicht war Guenter Uecker heimlich hier…
Dann wären wir saniert…
Station 10 – Das Erotik-Kabinett
Jetzt bitte leise.
Ganz heimlich
ins kleine Erotik-Kabinett.
Am Eingang:
wartet Cara Wilmanns auf Sie:
„Would you like an apple?“
Betont züchtig,
aber der Blick sagt:
Du weißt ganz genau, was hier passiert.
Und drinnen darf man sogar anfassen!
Aber bitte nur die Kunst.
Alles andere….
Klaus Wolf. Ein BH-Rest, eins zwei drei ausgezogen,
ein animalisches Fellchen da, und fleischfarbenes Hautgefühl dort,
wohlige Schauer…
Uiuiuiui!
BiKo: Sexy-Tanga aus Luftschlangen-Gehäkel. Karneval kann halt alles.
BiKo anscheinend auch!
Peter Kaczmarek: Der traut sich was!
10 Erotik-Zentimeter im Doppelpack
Und nebenan noch viel mehr.
Auf den strategischen Stellen – Fingerabdruck.
DNA gesichert.
Beweise gibt’s also.
Aber keine Sorge:
Gott sieht alles –
Außer im Karneval.
Station 11 – Gula: Völlerei
Zum Schluss kommen wir zu unserer beliebtesten Abteilung!
Weil Sünde durch den Magen geht:
Willkommen bei Gula, der Völlerei!
Hier ist das Museum auch interaktiv: Es riecht sogar nach Essen.
BiKo: Rosige Fleischeslust – haptisch oder essbar? Beides möglich.
Helga Santel: Äpfel vom Baum der Versuchung. Fischsuppe wie gemalt –
leider nur fürs Auge.
Und bitte denken Sie daran, Carsten Ludwig als Knigge ist immer dabei:
Deshalb – nachher nicht den Teller ablecken,
sonst werden Sie gemalt!
Finale
Liebe Gäste, liebe Kunstliebhaber, liebe Künstlerinnen und Künstler,
diese Ausstellung zeigt:
Sünde gehört zum Menschsein. Karneval gehört zur Erlösung.
Wir lachen. Wir trinken. Wir verzeihen uns selbst.
Zumindest bis Aschermittwoch.
Dann reden wir noch mal.
Kunst ist unser Leben.
Karneval ist unsre Beichte. Lachen unsre Buße.
Und Alaaf unsere Absolution.
Die Führung endet hier. Die Sünde beginnt draußen.
Denn
Wir sind alle kleine Sünderlein, ’s war immer so, ’s war immer so. Der Herrgott wird es uns bestimmt verzeih’n, ’s war immer, immer so.
Alaaf!
Es war mir eine Ehre!
ELOBA Ellen Loh-Bachmann
01.Februar 2026
Rede: Klaus Wolf
Meine sehr geehrten Damen und Herren, Verehrte Tollität, ich möchte den Festvortrag mit einer ikonografischen Analyse der Einladungskarte zur heutigen Ausstellung betitelt Sünde beginnen.
Fragen wir uns deshalb ganz einfach was sehen wir: eine Schlange mit Karnevalsmütze einen Apfel vor abgedunkelten Blau im Konfettiregen.
Wenden wir uns zuerst der Schlange zu. Um das Jahr 1450 ante Christi beschreibt Moses nach der heutigen Systematik des Alten Testaments in Genesis 3 den Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies. Wobei er sich offensichtlich indischer, ägyptischer oder auch Mesopotamischer Vorläufer Mythen bedient, etwa dem 3500 Jahre älteren Gilgamesch- Epos.
Nein ihr werdet nicht sterben wenn ihr vom Baum der Erkenntnis esst sagt der Teufel in Gestalt der Schlange zur Frau. Und weiter: Sobald ihr davon esst „gehen euch die Augen auf ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse “ Genesis 3,7.
Dabei ist die ikonografie der Schlange, die bei den Ägyptern noch als Haustier gehalten wurde, als Teufelssymbol keineswegs eindeutig. Sie gilt als mystisches Wesen. Im Gilgamenschepos stiehlt die Schlange das lebensspendende Zauberkraut. Sie ist im kanaanäischen Symbol für die männliche sexuelle Kraft des Gottes Baal. In der griechischen Mythologie bis hin zur Gegenwart wird sie geschlängelt um den Stab des Halbgottes Äskulap zum Symbol der Heilkraft.
Eine gewisse Mehrdeutigkeit erlaubt sich allerdings auch Hieronymus Bosch. Die linke Bildinnentafel des Triptychons der Heuwagen von 1515 mit Paradiesszenen zeigt die Schlange mit dem Oberkörper einer Frau, also einer Nähe von teuflischem zu weiblichem. Dem entspricht dann auch, dass der Frau als Verführerin Adams zusätzliche Strafen auferlegt werden: Unter Schmerzen gebierst du Kinder/ du hast Verlangen nach deinem Mann/ Er aber wird über dich herrschen Genesis 3.16
Hier will ich erneut darauf hinweisen, dass mit Genesis 3.16 die jahrhundertlange Diskriminierung der Frau begründet und kirchlich abgesegnet wird.
Der Kirchenschriftsteller Tertullian schreibt hierzu im 2 JH, dass Adam niemals auf den Teufel hereingefallen wäre, die Frau „dagegen schwächer und wenig spiritueller Natur“ sei leicht verführbar und risse damit die gesamte Menschheit mit ins Verderben. Ich möchte dagegensetzen: Stattdessen ist Adam wie kaum anders zu erwarten auf die Frau hereingefallen. Wer hier der dümmere ist überlasse ich ihrer Einschätzung meine Damen und Herren.
Die Überwindung der Erbsünde durch die Taufe im Katholizismus und die Versöhnung mit Gott durch Jesus als neuem Adam wie sie von Augustinus 200 Jahre später dogmatisiert wird, hat für die Frau keine „Erlösung“ gebracht, ganz im Gegenteil ihr minderer Status und ich füge hinzu ihre Satansnähe wird weiter verfestigt.
Wenden wir uns nun dem Apfel zu. Seit über 10 000 Jahren beheimatet in Kasachstan trat er als Wildapfel Malus sieversii auf der Seidenstraße den jahrhundertlangen Weg nach Europa an. Dort traf er nach Einkreuzungen diverser Wildsorten auf den malus sylvestri und entwickelte sich zum heutigen Kulturapfel dem Malus domestica.
Dem Begriff Malus abgeleitet von Malon dem griechischen Namen für Apfel haftet unterschwellig der lateinische Begriff für Malus schlecht oder böse an. Seit dem frühen Christentum wird der Name auch so gedeutet. Er ist Verweis auf die verbotene Frucht im Paradies. Auch wenn in der Paradieserzählung vom Apfel keine Rede ist, sondern nur von Früchten gesprochen wird, der Apfel ist zentrales Sinnbild der Versuchung.
Auf Schlange und Apfel folgt die Narrenkappe in der Aufmerksamkeitshierarchie der Motive, in der Besonderheit, dass die Schlange sich der Narrenkappe als Kopfbedeckung bedient. Die Deutung ist zweifellos ambivalent: meine Damen und Herren: macht sich die die Schlange als teuflische Versucherin zum Narren bzw zur Närrin oder aber macht sich der Narr zum teuflischen Versucher.
Eine mögliche Antwort findet sich im Psalm 53. Dort heißt es: Der Narr sprach in seinem Herzen : es gibt keinen Gott.
Dixit insipiens in corde suo: Non est deus. Wobei im insipiens der Gegenspieler des Homo sapiens also des weisen gottesfürchtigen Menschen gesehen wird. Hier begründet sich die enge Verwandtschaft oder auch Gleichsetzung von Narr und Teufel.
Wie ich bereits an anderer Stelle ausgeführt habe findet sich weiterer Hinweis zu Funktion und Status des Narren im Datum des Sessionsbeginns. Meine Damen und Herren. Die 11 Eins mehr als die 10 Gebote und eins weniger als die 12 Apostel, die Elf ist Narren und Teufelszahl. Damit bestätigt sich: nach Augustinus ist die Prinzengarde eine wilde Teufelsbande ohne jede Gottesfurcht. Das haben wir natürlich schon immer gewusst.
Nun stellt sich dann doch die Frage Ist der Karnevalist tatsächlich der Narr. Denn die hier gezeigte Kappe ist genau betrachtet weniger Narrenkappe als Vereinsschiffchen wie wir es aus dem verbürgerlichten Karneval kennen. Christoph Schmidt sagt hierzu: in Die Kirche und der Karneval von 2021:“ Das Besitz- und Bildungsbürgertum begann, Hofstaat zu spielen und erfand sich Ämter und Uniformen“. Der Karneval wird gezähmt mit Rathaussturm der Inthronisierung von Prinz Karneval, den Garden, die mit Holzgewehren paradieren. Mit Kamelle Würfen wird der Adel persifliert, der herablassend dem Volk die Münzen aus der Kutsche zuwirft. Die Regimentshure wird zum Funkenmariechen Die Strafpredigt von der Kanzel wird zur dem satirischen Vortrag aus dem Fass, das der Büttenrede den Namen gegeben hat.
Dies schützt den Karnevalisten allerdings dennoch nicht davor sich zum Narren zu machen.
In dem 1494 erschienenen Buch das Narrenschiff bezeichnet Sebastian Brand ohne Ausnahme jeden und jede dem Laster verfallenen ob Säufer oder Ehebrecher oder Lügner als Narren oder Narrin. Um 1500 nimmt Hieronymus Bosch das Thema auf und hat dem Motiv des Narrenschiffs als Teil eines Triptychons ein Denkmal gesetzt: Da sind sie alle beisammen bei Musik und Gesang, die Säufer, Fresser und Kotzer, Priester, Nonnen und Huren unmissverständlich gekennzeichnet durch den Krug, aufgespießt auf der Stange.
Mit anderen Worten es ist nicht entscheidend wie die Kappe aussieht, selbst ohne Kappe kann man zum Narren werden.
Wenden wir uns nun dem zentralen Movens der Sünde selbst zu. Auf der Einladungskarte erscheint der Begriff nur ganz klein kaum akzentuiert, so gut wie versteckt.
Zweifellos ist dies bei der grafischen Bearbeitung des Entwurf von dem Künstler Carstens Ludwig ganz intuitiv geschehen. Das ist schließlich auch kein Wunder. Niemand auch sie meine Damen und Herren wollen schließlich ihre Sünden jzu Markte tragen.
Die Sünde sucht das Dunkel, so wie das Indigo zur Abdunklung des Preußisch Blau im Hintergrund der Einladungskarte. Die Sünde ist das ungesagte, die Sünde ist das versteckte und heimliche und zum Verheimlichen gesellt sich die Sünde der Lüge. Das war im Paradies nicht anders berichtet Moses in Genesis 3.
Nach dem Biss in den Apfel sahen Adam und Eva, dass sie nackt waren und schlugen sich zügig in die Büsche und verfielen im Gestrüpp der Erbsünde. Als Gott sie dort findet, denn wie der Volksmund sagt: der liebe Gott sieht alles“ und eine Erklärung verlangt druckst Adam herum, ja er habe sich vor Gott nicht nackt zeigen wollen. Das war mit Sicherheit eine faustdicke Lüge mit der er die Freuden der Sexualität verbergen wollte.
Das ungeheure Gewicht dieser menschlichen Verfehlung bleibt ohne Begründung, zumal die Luxuria also die Sünde der Wollust in oppositio also in krassem Gegensatz zu Genesis 9,7 steht: Dort heißt es: Seid fruchtbar und mehret euch und reget euch auf Erden, dass eurer viele werden. Ja, da bietet der Karneval sicherlich die eine oder andere Gelegenheit. Meine Damen und Herren
Nun hat der Katholizismus eine regelrechte Systematik der Sünden aufgestellt, neben der Luxuria der Wollust benennt er weitere 6 Totsünden
Superbia , Hochmut, Stolz Eitelkeit Übermut
Avaritia, Geiz, Habgier Habsucht
Luxuria, Wollust Ausschweifung Begehren Unkeuschheit
Ira, Zorn Jähzorn Wut, Rachsucht
Gula Völlerei Gefräßigkeit Maßlosigkeit Selbstsucht
Invidia, Neid, Eifersucht Missgunst
Acedia, Faulheit, Feigheit Ignoranz Überdruss
Zugleich hat die Kirche eine Abstufung der Sünden erfunden, um nicht alle ihre Schäfchen an den Satan zu verlieren. So handelt es sich bei den Entgleisungen im Karneval in der Regel um eine Peccatum Veniale, eine minderschwere verzeihliche Sünde, für die mit einem Aschenkreuz auf der Stirn als Zeichen reuiger Buße bei anschließendem Fasten Absolution gewährt werden kann.
Mit anderen Worten die Kirche erlaubt teils forciert sie sogar, dass Sünder und Sünderin sich im Karneval austoben um als Reuige schuldbewusst in ihre Arme zurückzukehren. Schlechtes Gewissen und Absolution festigen die klerikale Bindung und Vormundschaft.
Die Abgrenzung der Peccatum Veniale also der lässlichen Sünde von der Todsünde , der himmelschreienden Sünde der Peccatum Clamans ist dabei eindeutig definiert.
Führen wir uns noch einmal ein naheliegendes Beispiel vor Augen meine Damen und Herren. Wenn ein Tanzmajor in einem Moment der Schwäche außerehelich und einvernehmlich das Funkenmariechen schwängert gilt dies als Peccatum Veniale, als lässliche Sünde, die kirchlich durch Aschenkreuz und einfache Buße geheilt werden kann.
Führt der Major dagegen planvoll eine Situation herbei um sich dem Mariechen zu nähern etwa mit Alkohol oder vorgetäuschtem Eheversprechen, dann ist er von der Luxuria dem Laster der Wollust getrieben. Allein der Versuch ist bereits eine Todsünde. Sehenden Auges bei vollem Bewusstsein und freiem Willen verstößt er gegen Gottes Gebote. Er verlässt die durch die Taufe begründete Gemeinschaft mit Gott und verfällt der Hölle. Aber auch ihm kann vergeben werden, wenn er in sich in reuiger Buße dem Bußsakrament unterwirft.
Bleibt nur noch das Motiv des Konfettiregens, der hier durch Farbigkeit, Licht und Bewegung dem ernsten Thema heitere Momente abgewinnt. So dass ich mit einem Liedzitat von Willi Millowitsch enden möchte:
Wir sind alle kleine Sünderlein| `s war immer so `s war immer so
Der Herrgott wird es uns bestimmt verzeihn| ´s war immer so´s war immerso
