Kunst im PalliLev-Hospiz
Sommervernissage am 07. Juni 2026
In mir die Sehnsucht
Elke Driftmeier
Wir laden Sie herzlich ein zur Sommervernissage am 7. Juni 2026 um 11:30 Uhr im PalliLev-Hospiz in Leverkusen-Steinbüchel (Steinbücheler Straße 127, 51377 Leverkusen)
Mit einer Einführung in die Ausstellung von ELOBA – Ellen Loh-Bachmann
Die Werke der Künstlerin Elke Driftmeiersind bis zum 27. Juli 2026 im PalliLev-Hospiz ausgestellt.
Elke Driftmeier geboren im Münsterland, lebt in Leverkusen
Elke Driftmeier studierte an der Universität in Münster Kunst. Durch viele Jahre im Ausland konnte sie mannigfaltige Erfahrungen sammeln, die sie in ihren Arbeiten wi-derspiegelt. Über die Möglichkeiten, im In- und Ausland ausstellen zu dürfen, ist sie sehr glücklich. Zu sehen waren ihre Arbeiten unter anderem in Mexiko-Stadt, Sao Paulo und Shanghai. Die Sehnsucht nach diesen besonderen Orten bleibt für immer.
Spontaneität, Spiel mit Farbe, Form und Linie, Bildspuren, Collagen, Hinzufügen und Wegnehmen…Dies sind Begriffe, die die Arbeiten Elke Driftmeiers beschreiben. Kein starres Schema oder feste Vorstellungen stehen am Anfang eines jeden Werkes. Ihre Bilder, die ursprünglich anhand von Skizzen grob auf Leinwand oder Papier übertragen werden und somit ein erstes zartes Gefüge darstellen, werden mit dem Farbauftrag zu neuen, sich in jedem Moment verändernden Gebilden. Impulsivität, spontanes Han-deln und Neugierde stellen den Schwerpunkt des bildnerischen Schaffens dar.
ELEBO – Ellen Loh-Bachmann geboren in Gießen, lebt in Leverkusen
1. Vorsitzende der AG Leverkusener Künstler e.V. seit 2017, Kunstbeauftragte der Europa-Union seit 2004, Eloba Schule für Malerei seit 1996
Projektgestaltung, Kuratierung und Gestaltung von Ausstellungen, Jurorin in nationalen und internationalen Kunstwettbewerben
Herzliche Grüße
Dr. med. Wolfgang Hübner Vorsitzender Förderverein PalliLev e.V.
Marianne Müller stellv. Vorsitzende Förderverein PalliLev e.V
Christoph Meyer zu Berstenhorst Hospizleiter

Rede zur Eröffnung der Ausstellung von Ellen Loh-Bachmann
ELOBA Ellen Loh-Bachmann
Rede zur Eröffnung der Ausstellung „In mir die Sehnsucht“ von Elke Driftmeier
PalliLev, 7. Juni 2026
Liebe Gäste,
ich freue mich sehr, Sie heute zur Eröffnung der Ausstellung „In mir die Sehnsucht“ begrüßen zu dürfen. Wir befinden uns an einem besonderen Ort. Ein Ort, an dem Menschen begleitet werden. Ein Ort, an dem nicht das Funktionieren im Vordergrund steht, sondern das Menschsein. Hier ist Raum für Erinnerungen, für Begegnungen, für Abschiede – aber auch für Hoffnung, Trost und Augenblicke der Freude.
Vielleicht ist Sehnsucht gerade deshalb ein so passendes Thema für dieses Haus.
Denn Sehnsucht begleitet uns durch alle Lebensphasen. Sie richtet sich auf Menschen, die wir lieben. Auf Orte, die wir vermissen. Auf Erfahrungen, die uns geprägt haben. Auf das, was gewesen ist, und manchmal auch auf das, was noch kommen mag.
Sehnsucht ist eine der menschlichsten Empfindungen überhaupt.
Sie verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie schenkt uns innere Beweglichkeit
selbst dann, wenn wir äußerlich nicht mehr unterwegs sein können.
Genau dazu laden die speziell für diesen Ort ausgewählten Bilder von Elke Driftmeier ein. Sie laden uns ein, für einen Moment den Alltag hinter uns zu lassen.
Sie öffnen Fenster – Fenster zur Erinnerung, zum Träumen, zur Weite.
Sie schenken Augenblicke des Innehaltens und ermöglichen innere Reisen zu Orten, die vielleicht weit entfernt liegen und uns dennoch ganz nah sind.
Nicht zufällig beginnt die Ausstellung mit den Seelenbildern und den drei Horizonten. Sie wirken wie eine Einladung, die eigene Wahrnehmung zu öffnen und sich auf eine Reise nach innen einzulassen.
Die Farbwelt der Ausstellung wird vor allem von Blau und Weiß geprägt – Farben, die sich am Horizont begegnen. Es sind die Farben des Himmels und des Meeres, der Weite und der Tiefe. Blau zählt seit Jahrhunderten zu den bedeutendsten Farben der Kunstgeschichte: vom antiken Rom über das Alte Ägypten, die Rokoko-Epoche, bis heute gehört Blau zu den beliebtesten Farben überhaupt. Blau steht für Ruhe, Sehnsucht, Ferne und Unendlichkeit – Begriffe, die auch das Werk von Elke Driftmeier prägen.
Ihre Malerei bewegt sich zwischen Abstraktion und Erinnerung, zwischen Spurensuche und innerem Erleben.
Landschaften, Gesichter und Stimmungen tauchen auf, ohne jemals eindeutig festgelegt zu sein. Ihre Bilder entstehen in einem offenen Prozess des Überlagerns, Hinzufügens und Wegnehmens. Farbe, Form, Linie und Schrift werden zu Trägern von Gedanken, Erinnerungen und Emotionen. Vieles bleibt bewusst offen. Gerade dadurch entsteht Raum für die eigenen Assoziationen der Betrachtenden.
Charakteristisch für ihre Arbeiten ist die reduzierte Farbigkeit. Oft wirken die Bilder nahezu monochrom – in leuchtenden Blau-, Weiß-, Schwarz- oder Rottönen. Kleine, manchmal viele, Farbakzente setzen dabei besondere energetische Impulse und lenken den Blick auf das Wesentliche.
Eine weitere Ebene ihrer Bildsprache bilden Schriftfragmente, Zeichen und Collageelemente. Sie verweisen auf kulturelle Erfahrungen, auf Begegnungen und Erinnerungen. Denn Elke Driftmeiers Leben war geprägt von Aufenthalten in unterschiedlichen Ländern – unter anderem in Mexiko, Brasilien, Portugal und China. Auch zahlreiche Reisen haben Spuren hinterlassen.
Spuren, die sich in ihrem Werk wiederfinden.
Manchmal ganz konkret, etwa im Werk „Cape of Good Hope“, das Eindrücke aus Südafrika verarbeitet. Oft jedoch erscheinen diese Erinnerungen nur als Andeutungen – als Fragmente von Orten, Sprachen oder Gefühlen.
Und immer wieder begegnen wir dabei einem zentralen Motiv: der Sehnsucht – im Allgemeinen und manchmal nach bestimmten Orten dieser Welt. Ausdruck findet sie in drei wiederkehrenden Bildwelten: Meer, Horizont und Himmel.
Besonders deutlich wird die Sehnsucht in den Arbeiten, die während der Corona-Zeit entstanden sind. Als Reisen plötzlich unmöglich wurden, entstanden vier Bilder, in denen die Sehnsuchtsorte selbst Teil der Bildsprache wurden: „Rio“ und „Shanghai“. Die Werke „Berlin“ und „Lissabon“ zeigen, dass Sehnsucht ansteckend sein kann: Sie wurden selbst zu begehrten Sehnsuchtsobjekten und fanden bald ein neues Zuhause.
Diese Werke erzählen davon, wie Orte in uns weiterleben, selbst wenn wir sie nicht erreichen können.
Das große Thema Meer.
Werfen Sie einen besonderen Blick auf den Zyklus „Drei kleine Blaue“. Hier spürt man die tiefe Verbundenheit der Künstlerin mit der See. Strukturen erinnern an Muscheln, Korallen, Steine, Fischgräten oder Geheimnisvolles aus der Unterwasserwelt. Das Blau erscheint hier nicht nur als Farbe, sondern als Raum – als Tiefe, als Bewegung, als Unendlichkeit.
Auch Werke wie „Deep Sea“, „Ocean“, die Amazonas-Arbeiten oder „Portuguese Farmer“ erzählen von dieser Faszination.
Dabei begegnen wir immer wieder Textfragmenten des berühmten portugiesischen Dichters Fernando Pessoa, im Besonderen im Bild „Ode an das Meer“ nach dem gleichnamigen Gedicht „Ode marítima“. Seine Gedanken über das Meer, die Ferne und die menschliche Sehnsucht scheinen in besonderer Weise mit der Bildwelt von Elke Driftmeier zu korrespondieren.
Pessoa schrieb über die Weite des Ozeans als Symbol für Aufbruch, Entdeckung und innere Suche.
Genau diese Haltung begegnet uns auch in den Bildern dieser Ausstellung.
Das Werk „Floating“ erinnert gleichzeitig an Meer, Himmel, Erde, den blauen Planeten und an eine Weltkarte. Es erzählt von Reisen und vom Unterwegssein, aber vielleicht auch von einer sehr persönlichen Beziehung zum Wasser. Denn wie mir die Künstlerin verraten hat, haben sie und ihr Mann ihre Begeisterung für das Meer längst in die Tat umgesetzt und sind inzwischen leidenschaftliche Taucher geworden.
Neben dem Meer spielen die Bildwelten Horizont und Himmel eine wichtige Rolle.
Die „Drei Horizonte“ von Elke Driftmeier sind jedoch keine fernen Linien am Ende einer Landschaft. Sie holt sie zu sich heran. Mit kraftvollen Farbflächen und energiereichen Strukturen macht sie die Ferne unmittelbar erfahrbar.
Der Horizont wird zu etwas Persönlichem.
Zu einem Sinnbild für Offenheit, Möglichkeiten und neue Wege.
Dazu gehören auch die „Columbiablaue Kreise“ – ein lichtes Azurblau –, in denen Träume wie in Blasen eingefangen zu sein scheinen. Ebenso die Werke „Geträumte Bilder I und II“ sowie das „Himmelsrund“, die mit gekonnt eingearbeiteten Collagen aus chinesischen Zeitungsausschnitten zudem auf China verweisen. Sie alle öffnen Räume voller Leichtigkeit und Transparenz und symbolisieren Aufbruch und Erwartung.
Mit dem vierteiligen Werk „Tensão Vermelha“ – der roten Spannung – tritt eine neue Energie hinzu. Rote Linien und Strukturen durchziehen die Bildfläche wie Lebensadern. Sie erinnern an Landkarten, Reiserouten, Flusssysteme oder an die verborgenen Strukturen des Lebens selbst.
Einen stärkeren Bezug zur sichtbaren Wirklichkeit zeigen die Werke „Anbetung“ und „Stolz“, inspiriert von der mexikanischen Kultur. Darstellungen eines Olmeken und eines Azteken – historisch und zugleich gegenwärtig – werden hier zu Trägern kultureller Erinnerung und Identität. Ergänzt werden sie durch spanische Textfragmente, die vom Erzählen, Beobachten und Bewahren handeln. Dabei bleibt der Gedanke bewusst offen: „Los que están mirando, los que cuentan, los que vuelven ruidosamente las hojas de los libros y los que tienen en su poder la tinta negra y roja…“
Neben der Malerei steht die Bildhauerei im Raum: Aus einfachen Baumteilen entwickelt Elke Driftmeier reduzierte menschliche Formen. Gerade das vermeintlich Unvollständige macht ihren besonderen Reiz aus. Die Figuren wirken fragil und zugleich kraftvoll. Sie vermitteln Anwesenheit und Abwesenheit, Erinnerung und Erwartung – und damit erneut Sehnsucht.
Nehmen Sie sich, liebe Gäste, ein wenig „Tempinho“ – ein kleines bisschen Zeit – und lesen Sie im lichten, hellfarbigen Diptychon wiederum Fragmente eines Gedichts von Fernando Pessoa. Gehen Sie von Bild zu Bild und entdecken Sie in den Farben, Formen und Worten alles, was Sie berührt – eine Erinnerung, einen Gedanken, einen Traum oder einen neuen Horizont. Lauschen Sie dem stillen Dialog zwischen Form und Gefühl, zwischen Gegenwart und Ferne.
Liebe Gäste, meine Damen und Herren,
wenn wir nun durch diese Ausstellung gehen, begegnen wir nicht nur Bildern.
Wir begegnen Erinnerungen, Spuren, Träumen und Fragen.
Wir begegnen dem Meer, dem Horizont und fernen Orten. Aber vielleicht begegnen wir vor allem uns selbst, unserer eigenen Sehnsucht.
Denn Sehnsucht ist nichts, was uns fehlt. Sehnsucht zeigt vielmehr, was uns wichtig ist.
Sie erinnert uns daran, was wir geliebt haben, was wir bewahren möchten und wovon wir weiterhin träumen.
Die Bilder von Elke Driftmeier geben dieser Sehnsucht eine Farbe, eine Form und einen Raum.
Gerade hier, an diesem Ort, entfalten sie eine besondere Kraft. Sie öffnen Fenster. Sie lassen uns für einen Moment aufbrechen, ohne einen Schritt gehen zu müssen. Sie führen uns hinaus in die Weite und zugleich tief nach innen.
Fernando Pessoa schrieb einmal:
„Alles ist wertvoll, wenn die Seele nicht klein ist.“
Vielleicht ist das auch ein Schlüssel zu dieser Ausstellung.
Liebe Elke, herzlichen Glückwunsch zu dieser wunderbaren Ausstellung. Und liebes PalliLev-Team, herzlichen Dank für Ihren wertvollen Einsatz!
Applaus für die Künstlerin!
Es war mir eine Ehre!
