In der Schwebe
Jahresausstellung der AG Leverkusener Künstler und Gäste
Eröffnung: 16.11.2025 um 12.30 Uhr | Galerie Künstlerbunker
Biko Heiderose Birkenstock-Kotalla | Michael Bork | Karl-Karol Chrobok | Theresa Dohmen | Hans-Lothar Dorsch | Werner Diefenbach | Elke Driftmeier | Friedel Engstenberg | ELOBA Ellen Loh-Bachmann | Thomas Ernst | Rita Klein | Ursula Knorr | Norbert Küpper | Carsten Ludwig | Helga Santel | Michael Salge | Wolfgang Schumacher | Angelika Strobach | Axel Weishaupt | Klaus Wolf
Gäste: Jil Anders | Jürgen Heinze | Viviana Meretta | Havva Sari | Ion Willaschek
Zur Ausstellungseröffnung am Sonntag, 16. November 2025, um 12.30 Uhr
sowie zur Finissage laden wir Sie, Ihre Familie und Freunde herzlich ein.
Die Ausstellung wird von Herrn Oberbürgermeister Stefan Hebbel eröffnet.
Zu den Arbeiten spricht ELOBA Ellen Loh-Bachmann, AG-Vorsitzende.
Und Norbert Küpper spielt für Sie die Gitarrenkomposition „La Espiral Eterna“ (1971) von Leo Brouwer.
Die Eröffnungsveranstaltung endet um 15.30 Uhr.
Finissage: Sonntag, 07. Dezember 2025, um 17:00 Uhr mit
Michael Bork im Dialog mit der KI „Zwischen Algorithmus und Ästhetik“
Galerie Künstlerbunker | Karlstr. 9 | 51379 Leverkusen (Opladen)
Öffnungszeiten bis einschließlich 07.12.2025
Mi+Fr+So von 16-18 Uhr
info@AGLeverkusenerKuenstler.de | www.AGLeverkusenerKuenstler.de
www.facebook.com/ag.leverkusener.kuenstler
https://lust-auf-leverkusen.de/veranstaltung/leverkusener-kunstnacht/
Ansprache OB Stefan Hebbel
Oberbürgermeister Stefan Hebbel | Eröffnung Jahresausstellung Künstlerbunker
Sonntag, 16. November 2025, 12:45 Uhr Künstlerbunker Karlstraße
Liebe Frau Loh-Bachmann, lieber Michael Bork, liebe Künstlerinnen und Künstler, meine sehr geehrten Damen und Herren,
es ist mir eine Freude, die Jahresausstellung des Leverkusener Künstlerbunkers als Oberbürgermeister dieser Stadt zu eröffnen. Der Künstlerbunker und seine Ausstellungen sind mir vertraut. Wer in Leverkusen wohnt und sich für Kunst interessiert, war hier schon zu Gast. Denn die Atmosphäre ist immer besonders.
Hier begegnet man sich tatsächlich und kommt ins Gespräch, hier gehen die Kontakte auch oft noch über das Interesse an Kunst hinaus.
Seit über 35 Jahren bietet dieses elegante Gebäude schon Ateliers und Ausstellungsflächen und ist künstlerische Heimat von inzwischen mehreren Generationen geworden. Der Künstlerbunker ist tief in der Stadtgesellschaft verwurzelt. Das ist das Geheimnis seines Erfolges.
Die Ausstellungen sind oft spektakulär und in diesen Räumen gekonnt in Szene gesetzt.
Heute präsentiert die „Arbeitsgemeinschaft Leverkusener Künstler“ ihre Jahresausstellung 2025 unter dem Titel „In der Schwebe“. Bezogen ist dieser Titel auf das gegenwärtige Weltgeschehen und eine Zeit, in der – nach Ansicht der AG Leverkusener Künstler – vieles in der Schwebe ist – zwischen Hoffnung und Bangen, zwischen Vergangenheit und Zukunft – ja sogar zwischen Krieg und Frieden.
Tatsächlich ist die gegenwärtige politische Situation von Unwägbarkeiten geprägt. Auch in der Kommune müssen wir damit zurechtkommen. Deshalb müssen wir uns auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Dazu gehört alles, was unsere Stadt zusammenhält, unser Sicherheitsbedürfnis befriedigt, aber auch eine zukunftsgerechte Entwicklung möglich macht.
Wir müssen beispielsweise die Chancen der Digitalisierung nutzen. Auch wenn viele von uns die KI noch mit Sorge erfüllt – wir kommen nicht daran vorbei und müssen uns damit beschäftigen, was sie uns bieten kann.
So wird die Ausstellung heute sicherlich Anlass für Diskussionen bieten.
(Zu den Arbeiten wird gleich die AG-Vorsitzende Ellen-Loh-Bachmann noch ausführlicher sprechen. Norbert Küpper spielt danach und passend zum Thema die Gitarrenkomposition „La Espiral Eterna“ von Leo Brouwer.)
Ich danke dem „Künstlerverein Bunker Karlstraße“ für sein Engagement; ein Engagement mit dem er unsere Stadt sehr bereichert. Er verantwortet den Betrieb eines großen Hauses. Das steht und fällt mit dem Einsatz des Vereinsvorstands und der Unterstützung seiner Mitglieder.
Ich wünsche dieser Ausstellung und ihren Werken große Beachtung und freue mich, heute auf dieser Eröffnungsveranstaltung bei Ihnen zu sein.
Rede Eloba
Ellen Loh-Bachmann | Rede „In der Schwebe“
Jetzt, meine Damen und Herren lade ich Sie ein, mit mir gemeinsam einen Blick auf das Thema „In der Schwebe“ zu werfen, ein Thema, das in seiner Offenheit und Vielschichtigkeit wohl kaum besser in diese Zeit passen könnte.
„In der Schwebe“ – was bedeutet das eigentlich? Der Titel klingt leicht, beinahe poetisch, und zugleich steckt darin eine ganze Welt an Bedeutungen. „In der Schwebe“ sein, das kann heißen: zwischen zwei Zuständen zu stehen, noch nicht angekommen zu sein, vielleicht auch den festen Boden unter den Füßen zu verlieren. Es kann Unsicherheit bedeuten, aber auch Offenheit, Halten oder Loslassen. In der Schwebe steckt Bewegung, Glücklichsein, aber auch Verletzlichkeit. Und vielleicht ist es genau das, was unsere Zeit so stark prägt, das Gefühl, dass vieles nicht mehr fest ist, dass Sicherheiten verschwinden, und dass wir als Gesellschaft neu suchen müssen, was uns trägt.
Ein Schwebezustand ist ein Moment, in dem aber auch alles möglich scheint. Und genau diese Spannung haben die 25 Künstlerinnen und Künstler auf ganz unterschiedliche Weise aufgegriffen: in Malerei, Skulptur, Fotografie, Digitalem, Installation, Zeichnung und Collage. Sie zeigen uns, dass Schwebe kein Stillstand ist, sondern ein Raum der Möglichkeit. Kunst kann trösten, irritieren, öffnen und sie kann uns lehren, Ambivalenz zu ertragen, ohne sie sofort auflösen zu müssen, heute wichtiger denn je.
Und speziell heute, an diesem Tag, der Zeit des Nachspürens, rund um den Volkstrauertag, denken wir an die Opfer von Krieg und Gewalt, an Menschen, die ihr Leben verloren haben, und an die, die zurückgeblieben sind, oft selbst in einer dauerhaften Schwebe zwischen Verlust und Erinnerung.
Der Volkstrauertag mahnt uns, nicht zu vergessen. Er erinnert uns an das Leid, das Menschen einander zufügen können, aber auch an die Verantwortung, Frieden zu bewahren, Menschlichkeit zu leben. Auch das ist eine Form von Schwebe – zwischen Erinnern und Weitergehen, zwischen Trauer und Hoffnung, zwischen der Schwere der Geschichte und der Leichtigkeit, die wir dem Leben dennoch zugestehen müssen.
Und Kunst selbst ist immer ein Akt der Schwebe, ein Balance-Akt – zwischen Idee, Form und Entstehung, zwischen Kontrolle und Zufall, zwischen der Intention des Schaffenden und der Wahrnehmung des Betrachters. Auf diesen Akt bezieht sich Wolfgang Schumacher mit seiner Arbeit „Schwebend – Vor dem Werk„, das den Moment zeigt, bevor das Werk entsteht. Die ersten Ideen, die erste Planung, Skizzen, das Annähern an die weiteren Arbeitsschritte. Man sieht ausschließlich Ateliermotive in leichter Unschärfe, nichts ist entschieden, darüber transparente Skizzenpapiere, die ersten Werksmotive. Eine visuelle Balance aus Planung, Idee – alles in der Schwebe.
Ich habe lange überlegt, ob ich das zumuten kann, über 25 Künstler und ihre Werke zu sprechen. Ist ja fast unmöglich. Aber das Werk und die ganze Arbeit verdient es doch, vorgestellt zu werden! Also á la Winfried Schmickler: mit Power durch die Kunst. Und lassen Sie Ihren Geist nicht entschweben, bitte…
Einige Künstlerinnen und Künstler lassen uns das Schweben unmittelbar spüren – in Farbe, Licht und inneren Räumen, wie Heiderose Birkenstock-Kotalla. Ihre Werke öffnen einen Raum, in dem diese drei Komponenten in zartem Gleichgewicht schweben. Für ihre vielschichtigen Bilder werden oft 30 und mehr Farbschichten aufgetragen, ein Netz aus Linien, Funken und Sprenkeln. „Es malt“, sagt sie über ihr eigenes Schaffen, als ob die Bilder aus sich selbst heraus entstehen würden.
Klaus Wolf arbeitet mit ähnlicher Sensibilität, jedoch mit energischem Pinselstrich. Den Himmel empfinden wir als schwebenden Ort unbestimmter, ungreifbarer ständig wechselnder Ansicht und Wahrnehmung. Selbst da, wo er sich ohne Wolken zeigt, ist das Blau schwebend und räumlich. Zugleich wird er zum Gegenbild unserer Stimmungen, ist heiter oder bedrohlich, melancholisch oder religiös, berührt uns in nicht planbarer Folge, lässt das Ich sprachlos zurück.
Auch die Arbeiten von Jan W. Matthiesen bewegen sich zwischen Materie und Licht, zwischen
Himmel und Erde. In abstrakten Farbfeldern zeigt sich ein schwebendes Rechteck als
Orientierungsfeld im Dialog mit „Cloud“ im Moment des Gleichgewichts. Oder des Wandels?
Vielleicht ist gerade das der Zauber der Kunst: dass sie uns keine festen Antworten gibt, sondern Räume öffnet. Räume, in denen wir innehalten, nachspüren, und vielleicht für einen Moment selbst „in Schwebe“ geraten – zwischen Denken und Fühlen, zwischen Distanz und Berührung, in der Schwebe des Lebens selbst.
Zwischen Hoffnung und Verlust zeigt Michael Bork bearbeitete Fotografien von Menschen und
Landschaften mit Vögeln als fragile Erscheinungen. Landschaften als Durchgangsräume, in denen Wege sich verlieren und der Himmel in Bewegung ist. Intensive Reportagebilder mit brennendem Müll am Strand oder geisterhaften Anglern am verschmutzten Ufer. Er verdichtet gesellschaftliche Brüche zu poetischen Zwischenzuständen. Die Serie „Fly Away“ erinnert in ihrer künstlerischen Realität an Gerhard Richters 65er Jahre, an die gemalte Schnelligkeit, an das Rasen und die Flüchtigkeit der Zeit.
Auch Axel Weishaupt erkundet diese Zwischenräume, in denen sich Natur und Mensch, Bewegung und Stillstand begegnen. Menschenähnliche Affen vor den Überresten einer alten Zivilisation, die chinesische Gasse in architektonischer Verzerrung, kappadokische Ansichten und der Sternenhimmel als Rückkehr ins Lichtlose. Die Leere des Alls und die Spuren von Leben auf der Erde halten sich in der Schwebe. Alles bleibt offen.
Humor- und kraftvoll expressionistisch arbeitet Hans-Lothar Dorsch. Ob am Strand der Sturmsack noch heldenhaft getestet wird, die Orchidee-Bar lieber schlummert oder die Rentnerbank morgens verschlafen und abends nachdenklich guckt – alles hängt so ein bisschen in der Schwebe. Das Alltägliche zeigt sich als poetischer Zwischenraum.
Auch Friedel Engstenberg gestaltet mit einem Schuss Humor und Ironie seine Vogel-Skulpturen, Rabe und Kranich, die schwerfällig, eben gesättigt, kaum zum Aufstieg in die Schwebe in der Lage sind. In seinen Bildern verbindet er Farben mit Eisenoxid und thematisiert das Schweben konkret mit der Kölner Seilbahn und dem Hubschrauber im Gebirge.
Die Schwebe mit Körper, Material und Balance wird bei Viviana Meretta körperlich spürbar. Sie abstrahiert menschliche Formen auf feinsinnige Weise, erschafft Fremd-Vertrautes zwischen Stabilität und Schweben. Ihre Arbeit „Fragile Stabilität“ aus Alabaster ist eine Reflexion über die Wahrnehmung des Raumes und des Gleichgewichts, indem die Fragilität als ästhetische Dimension eine stille Spannung erfahrbar macht.
Auch Jil Anders verbindet die ambivalenten Bedeutungen des Begriffs „Schweben“ – sowohl die negativ besetzte Seite von Ungewissheit und Unsicherheit als auch die positive der Anmut und Freiheit. Diese interpretiert sie als Balanceakt einer Ton-Figur in Yoga-Haltung auf vermeintlich unsicher übereinander gestapelten Filzsteinen, die mal eben so in der Schwebe bleiben.
Bei Havva Sari sind es die reliefartigen Oberflächen aus Strukturpaste und Acrylfarben in erdigen Tönen, die an geologische Schichten und aufbrechende Formationen erinnern und strukturierte Flächen bilden. Kontrast zwischen stabilen und brüchigen Bereichen, teils höhlenartig, teils umgeben von schwebenden transparenten Schleiern. Symbol für Werden und Vergehen.
Carsten Ludwigs Arbeiten, Digitales und Linolschnitte, kreisen um Übergänge. Ein mathematisch präziser Sprung, Auseinandersetzung zwischen Körper und Geist. Figuren, die sich unsichtbar abseilen, Start und Ziel unbekannt. Ein Einhorn als ambivalentes Symbol, Menschen in unmöglichen Bewegungsphasen und die Motto-Geste „Kopf hoch!“ Alle Szenen schweben bewusst im Unentschiedenen, spielen mit der Balance zwischen Figur, Form und Geste im Moment, bevor etwas geschieht oder bevor es vergeht. Hier ist auch Karl-Karol Chrobok zu verorten, der mit der Stilisierung der Form spielt. Das X ist Auspunktpunkt für die Idee der Sanduhr-Figur. Die Zeit, sie schwebt dahin. Auf der Rückseite ein gemaltes Labyrinth – Symbol für Orientierungssuche in unsicheren Zeiten.
Juergen Heinze bringt das Schwebende direkt in den Raum: „Was du siehst, bist du“ entfaltet eine
stille Kraft aus Leere und Linie, die sich mit jeder Bewegung neu konfiguriert. Sie erklärt sich nicht, sie fragt zurück, verkörpert den Zustand zwischen Wahrnehmung und Identität. Ähnlich das Pendel. Es hängt in absoluter Ruhe und doch scheint es zu schwingen. Suggestion der Schwebe zwischen Technik und Trance.
Ein anderes Konzept ist die Idee von Traum und Wirklichkeit. Tanzend verlassen Michael Salges metallene Traumtänzer die reale Wirklichkeit und schweben hinauf in die Welt der Träume, befreit von allen irdischen Zwängen. Die schwungvollen, lebensfreudigen Figuren zeigen sich einzeln, oft zu zweit, manchmal auch in Gruppen. Es sind Cut-outs, zugleich künstlerisches Objekt und Werkzeug, das mit Hilfe von Wind und Wetter seine Silhouette auf die Leinwand malt – Entstehung der Oxidationsbilder, die immer in Verbindung mit den Cut-outs präsentiert werden.
Auch Helga Santels Engelsbilder sind irdische Träume, spirituelle Wesen in Gestalt pummeliger Kinder, sogenannter Putti. Wesen zwischen Himmel und Erde. Verschiedenfarbige Untergründe bestimmen die Bildfarbe, die durch transparent angelegte Haut-Töne durchschimmert und die Illusion des Schwebens erweckt.
Metaphern, Erinnerungen und Fundstücke bilden ein weiteres Feld der Schwebe wie etwa bei Elke Driftmeier. Sie lässt Formen, Linien und Farbspuren tanzen. Die Künstlerin spielt mit der Farbe, arbeitet spontan, abstrakt. Hinzufügen und Wegnehmen hinterlassen Bildspuren wie Luftblasen, Gedankenblasen, Sprechblasen oder Traumblasen, die sich in der Gedankenwelt des Betrachters ausbreiten, lebendig werden und ihren Weg gehen. Eine poetische Metapher.
Angelika Strobach, ihr Hund Panamarenko ist einer der 10 Protagonisten des AG-Projektes „Baron auf den Bäumen“. Sie sollten im Baum vor dem Museum Morsbroich schweben. Aber wegen der Räumung im Hambacher Wald, bei der ein Leverkusener zu Tode kam, wurde das Projekt aus Respekt vor dem Verstorbenen abgesagt. Die Figuren jedoch sind entstanden und tauchen hie und da als Überraschungsgäste in den Ausstellungen auf – heute ist es die dritte Figur.
Elobas „Rettung in der Schwebe“ steht kunsthistorisch in der Tradition des Readymade oder Objet trouvé, die das gefundene Objekt aus dem Alltag in einen neuen Bedeutungshorizont überführt. Wie bei Duchamp oder Beuys transformiert sich das Material durch Kontext und Geste, hier in eine zutiefst menschliche, empathische Dimension. Der „entwaffnete“ Rettungsschirm, die noch verankerte Hallo-Figur und das Telefon mit Frieden auf der Wählscheibe werden zur Allegorie globaler Unsicherheit, Symbol für die prekäre Balance unserer Zeit.
(Schwebezone, Wolkengesicht und „Hotline Himmel“, erweitern den Blick in die Zwischenräume von Erde und Himmel.)
Die Arbeiten von Norbert Küpper erinnern an ein Abklatschverfahren, das an den Rorschach-Test erinnert, und spielen mit Symmetrien sowie Abweichungen. Der Titel „Disputa Janusköpfig“ verweist auf die doppelte Perspektive, die zwiespältige Auseinandersetzung, die zwei Seiten, die aufeinander treffen, die Spannung zwischen Ordnung und Unschärfe, sowie auf das Spiel mit dem Unbestimmten.
Auch Ursula Knorr, seine verstorbene Frau, nutzte mythologische Motive, auf den Stoff gedruckt, der wiederum auf den blumigen Untergrund aufgenäht wurde. Dieses Werk ist Teil der Serie, die sich intensiv mit der Form des Fächers auseinandersetzt und im Verlauf zunehmend die Silhouette einer Blüte annimmt. Das Alltagsobjekt, der Stoff, war oftmals Norberts Hemd, wie er augenzwinkernd erzählt.
Und schließlich sind da die Arbeiten, die das Schweben zum Klingen bringen. Rita Klein übersetzt Musik in Farbe während sie die „Sound-Scapes“ malt und setzt sie um in schwerelose Flächen und Linien. Hier war es „Spiegel im Spiegel“ von Arvo Pärt, dessen Kompositionen einen schwebenden, fließenden Charakter haben, was sich deutlich in ihrer Arbeit widerspiegelt.
Thomas Ernst lässt Bilder und Worte wie Noten im Raum schweben. Im Kabinett hat er eine zauberhafte Geschichte mit schwerelos schwebenden Fischen, Aquarellen und Textbausteinen sowie liebevoll hergestellten Baudetails installiert, die einen positiven Impuls von Unbeschwertheit in Zeiten kollektiver Bedrücktheit geben sollen.
Schwerelos auch die beiden roten Kugeln, die Werner Diefenbach im nachtblauen Raum bewegt. Eine abgeschlossene Welt, Zivilisation, Kultur? Blaue Sphären umkreisen diese Welt im Spannungsfeld aus Ruhe und Energie. Licht und Schatten, auch im sakralen Interieur, erzeugen ein transzendentes Spiel, das beide Bilder in den Moment zwischen Himmel und Erde versetzt.
Und zum gutem Schluss Ion Willaschek. Kreative Freiheit entfaltet sich für ihn innerhalb bewusst selbst gesetzter räumlicher Begrenzungen. Die Enge der Nische fokussiert seine Arbeit. 22 farbige Collagen und Meeresbilder bewegen sich im Grenzbereich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Alles bleibt im Offenen – „something between something and nothing“.
Diese Ausstellung, meine Damen und Herren, versammelt 25 Positionen, das bedeutet auch 25 Handschriften, 25 Blickwinkel auf die Welt. Schweben mal sinnlich und farbig, mal still und nachdenklich, mal spielerisch oder poetisch, mal körperlich erfahrbar. 25 Positionen und dennoch fügt sich all das zu einem vielstimmigen, aber harmonischen Ganzen, zu einem fragilen Moment zwischen allen möglichen Erfahrungen und genau dort beginnt Kunst. Möge diese Ausstellung dazu beitragen, uns sensibel zu halten für die feinen Zwischenräume, für die Fragen, die offen bleiben dürfen. Denn gerade „in der Schwebe“ liegt oft der Anfang von etwas Neuem.
Allen Künstlerinnen und Künstlern sei Dank für die inspirierenden Beiträge. Ebenso danke ich unseren Förderern, im Besonderen Ihnen Herr Oberbürgermeister Hebbel, der Stadt, mit „Lust auf Leverkusen“. Und natürlich Ihnen, liebes Publikum, dass Sie heute hier sind. Ihr Interesse, Ihr Zuhören, Ihr Hinsehen – das ist Teil dieses Schwebezustandes, der sich zwischen Werk und Betrachter entfaltet.
Ich wünsche Ihnen eine bereichernde Begegnung mit den Werken, vielleicht schwebt ja auch das eine oder andere zu Ihnen nach Hause, rote Punkte hätten wir genug.
Und nun endlich sind Sie dran, begeben Sie sich in die Schwebe zwischen Kunstwerken und Künstlern!
Es war mir eine Ehre!
