Driftmeier. Ludwig. Sari. Wilmanns.
Die Neuen in der AG Leverkusener Künstler
Elke Driftmeier
Carsten Ludwig
Havva Sari
Cara Wilmanns
Zur Ausstellungseröffnung sowie zur Finissage laden wir Sie, Ihre Familie und Freunde herzlich ein.
Vernissage: Sonntag, 03.05.2026, um 11:30 Uhr
Begrüßung und Einführung: ELOBA Ellen Loh-Bachmann, AG-Vorsitzende
Die Eröffnungsveranstaltung endet um 15:30 Uhr.
Finissage: Sonntag, 17.05.2026, um 16 Uhr
Artist-Talk, die Künstler interviewen sich gegenseitig zu ihren Exponaten.
Galerie Künstlerbunker | Karlstr. 9 | 51379 Leverkusen (Opladen)
Öffnungszeiten bis einschließlich 17. Mai 2026
Mi+Fr+So jeweils von 16-18 Uhr
Eine Ausstellung der AG Leverkusener Künstler e.V.
info@AGLeverkusenerKuenstler.de | www.AGLeverkusenerKuenstler.de
Rede zur Eröffnung von Ellen Loh-Bachmann
ELOBA Ellen Loh-Bachmann | Rede zur Eröffnung der Ausstellung
„Die Neuen in der AG Leverkusener Künstler“ | 03. Mai 2026 | Galerie im Forum
Liebe Gäste,
herzlich willkommen zur Ausstellung „Die Neuen in der AG Leverkusener Künstler“. Wie auch 2024 konnten wir im vergangenen Jahr vier neue Mitglieder gewinnen. Alle haben bereits an Gemeinschaftsausstellungen teilgenommen, heute stellen sie sich erstmals mit einer größeren Auswahl ihrer Arbeiten vor – in ihrer ganzen künstlerischen Bandbreite, mit eigener Handschrift und Haltung.
Diese vier Handschriften könnten unterschiedlicher kaum sein: von abstrakter Malerei über experimentelle, materialbetonte Arbeiten bis hin zu figurativer und realistischer Darstellung. Gerade in dieser Vielfalt liegt die besondere Qualität der Ausstellung: Im Zusammenspiel eröffnen die Werke ein spannendes Feld von Wahrnehmung, Deutung und Dialog.
Es war tatsächlich gar nicht so einfach, diese vier Positionen räumlich zusammenzuführen – umso mehr freue ich mich, dass uns eine überzeugende Hängung gelungen ist. Mein Dank gilt Norbert Küppers für die Mitgestaltung sowie Axel und Susanne Weishaupt für die Unterstützung beim Aufbau, außerdem Thomas Ernst, Heiderose Birkenstock-Kotalla, Helga Santel, Sigurd Koppenstedt, Elke Driftmeier, Carsten Ludwig, der sogar eine Wand gestrichen hat, und allen Helfenden. Ebenso danke ich „Lust auf Leverkusen“ für die Förderung des Projektes!
Die Hängung ist so angelegt, dass Sie beim Betreten der Galerie sofort einen Überblick erhalten und die vier Handschriften in allen Bereichen im Wechsel und im Dialog erleben.
Die Arbeiten von Elke Driftmeier bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen Abstraktion, Erinnerung und Spurensuche. Landschaften, Gesichter, Stimmungen tauchen auf, ohne je eindeutig festgelegt zu sein. Ihre Malerei entsteht prozesshaft durch Überlagerung, Hinzufügen und Wegnehmen. Farbe, Form, Linie und Schrift sind ihre zentralen Ausdrucksmittel. Vieles bleibt bewusst offen für eigene Assoziationen.
Charakteristisch ist die reduzierte Farbigkeit, die den Blick auf das Wesentliche lenkt – oft monochrom in strahlenden Blau-, Schwarz-, Rot- oder Weißtönen, manchmal mit Einschlüssen von Farbstrahlen und -formen. Schriftfragmente erweitern die Bildsprache um eine zusätzliche Ebene der Kommunikation und verweisen auf vielschichtige, multikulturelle Erfahrungen durch ihre Lebensaufenthalte in Mexiko, Brasilien und China.
Ihre Bildsprache ist kulturell offen und vielsprachig – mit collagierten Elementen oder symbolhaften Motiven. Besonders eindrucksvoll ist das große Diptychon „Traumdeutung“ im Eingangsbereich mit eingearbeiteten Zeitungsausschnitten und Textfragmenten als Spuren von Sprache, Kultur und Erinnerung – hier an China.
Auch ihre mexikanischen Werke wie „Anbetung“ und „Stolz“, ein Olmeke, ein Azteke, im kleinen Kabinett zeigen diese Verbindung, ergänzt durch mexikanische Textfragmente.
„…los que estan mirando, los que cuentan, los que vuelven ruidosamente las hojas de los libros de pintura. Los que tienen en su poder la tinta negra y roja…”
(…diejenigen, die zuschauen, die erzählen, die lautstark die Seiten der Bücher umblättern. Die die schwarze und rote Tinte in ihren Händen halten – Oder die Macht über die Farben haben…)
Ergänzend zur Malerei sind Holzskulpturen zu sehen – minimal bearbeitete Baumteile, in denen sich menschliche Figuren reduziert andeuten. Gerade diese Reduktion macht ihren Reiz aus, die leise Kraft des vermeintlich Unfertigen verleiht ihnen eine fragile, zugleich kraftvolle Präsenz.
Insgesamt entsteht ein stiller, poetischer Dialog zwischen Farbe, Form und Erinnerung – offen genug, um von jedem Betrachter neu gelesen zu werden.
Auch Havva Sari arbeitet abstrakt – jedoch mit einem anderen Fokus. Ihr zentrales Thema ist das Spannungsfeld zwischen Mikro- und Makrokosmos: zwischen kleinsten Strukturen und den Weiten des Universums mit Spuren-, Struktur-, Linear, Wasser- und Landschaftselementen. Ihre Werke wirken wie eingefrorene Naturprozesse, Erdformationen, aufgebrochene Oberflächen, Meeresgründe oder kosmische Explosionen.
Mit Sand, Pigmenten und selbst entwickelten Strukturpasten schafft sie reliefartige Oberflächen, die beim Trocknen aufbrechen, sich verschieben. Strukturen die visuell wie auch körperlich erfahrbar werden.
In ihren Arbeiten wie „Supernova“ entstehen durch viele Schichtungen eine enorme Tiefe und gleisende Leuchtkraft. Der Blick wandert vom kleinsten Detail in scheinbar unendliche Weiten, die beweglich anmuten. Die Supernova – das explosive Ende eines Sterns – erscheint hier als Moment größter Schönheit und Energie. Wie die Glut eines Smaragdgesteins, intensiv leuchtend, schimmernd, wertvoll, in einem Feld sprühender Farbelemente.
Spontane Spritz- und Spachteltechniken treffen auf bewusst eingesetzte Materialien. Diese Materialität verleiht ihren Bildern eine starke physische Präsenz. Sie verbindet spontane Gesten mit bewusster Materialwahl. Gegensätze wie Bewegung und Stillstand, Chaos und Ordnung treten gleichzeitig auf.
Inhaltlich kreisen ihre Arbeiten um Veränderung, Zeit und Vergänglichkeit und laden dazu ein, sich im Großen wie im Kleinen zu verorten, die eigene Bedeutung im Verhältnis zum Ganzen zu reflektieren.
Dabei folgt die in Istanbul geborene Künstlerin keinem festen Plan. Intuition und Erfahrung greifen ineinander. Es entsteht eine Bildsprache, die nicht erklärt werden will, sondern erlebt werden möchte. Ihr Name verdeutlicht ihr Werk: Havva, die Erneuerung, und Sari, die Sonne, die sich in Form von leuchtenden kraftvollen Lichtern spiegelt.
Manche Werke erinnern an Landschaften, an den Yellowstone-Park oder an unbegrenzt scheinende Tiefseeformationen. Und doch bleiben sie abstrakt. Sie geben keine eindeutigen Antworten, sondern laden dazu ein, eigene Bilder zu entdecken.
Oder, um es poetisch zu sagen: eine Welt im Sandkorn – und vielleicht ein ganzes Universum im Detail.
Cara Wilmanns setzt mit klassischer Ölmalerei einen Kontrapunkt zu den abstrakten Positionen der Kolleginnen. Ihre Werke sind präzise, realistisch, sorgfältig komponiert. Jedes Detail ist gesetzt, nichts bleibt dem Zufall überlassen. Im Mittelpunkt stehen Menschen und Situationen aus ihrem persönlichen Umfeld. Ihre Porträts gehen über das reine Abbild hinaus: Sie erzählen von Identität, Beziehungen und gesellschaftlichen Rollen.
Im Eingangsbereich sehen wir das großformatige Werk „Adorned“: ein Tätowierer, selbst über und über tätowiert, in seinem Studio, umgeben von Künstlerbildern, Symbolen und Zitaten – darunter auch eine Darstellung der Virgen de Guadalupe. An ihrem Bildnis angepinnt die Kopie auf transparentem Papier, fertig zum Übertragen auf die Haut. Das Bild erzählt über die Person selbst wie auch vom Selbstverständnis des Künstlers, von Hingabe und Identität. Dem gegenüber platzierten wir das kleine Freundinnen-Porträt „Sunglasses“, scheinbar unscheinbar. Und doch behauptet es sich mühelos.
In „Would you like an apple?“ interpretiert sie die Geschichte von Adam und Eva neu, dreht sie um: Verantwortung wird hier nicht zugeschrieben, sondern zurückgegeben. Andere Arbeiten widmen sich Themen wie Literatur, Vergänglichkeit oder Familie, etwa in den Darstellungen ihrer Eltern, beide sind Musiker, beide Werke sind Teil einer Trilogie, deren dritter Teil, das Selbstportrait der jungen Künstlerin, inzwischen verkauft ist. Deshalb steht nicht mehr die persönliche Backstory im Vordergrund, die Werke werden zu Einzelbildern und wurden folgerichtig mit neuen Titeln versehen.
„Quiche Lorraine“, vorher „Dad“, ist das Bildnis des Vaters in der Küche. Er kochte für sie, währenddessen sie vor Ort die Komposition des Bildes entwarf. „The divination of music“, vorher „Mum“, ist inspieriert durch eine der stärksten und künstlerischsten Frauen, die sie kennt: ihre Mutter. In ihrem Gesichtsausdruck liegt ein Hauch von Geheimnis und Spannung, als ob sie etwas hört, das nur sie allein hören kann. Das Werk zeigt die tiefe Verbundenheit zur Mutter.
Letztere ist übrigens heute auch hier: begrüßen wir die bekannte Musikerin – Brigitte Riviera!
Ein kleines, besonderes Werk ist „Red Scarf“, das historische Bildtraditionen hinterfragt. Jahrhunderte galt weibliche Nacktheit als obszön und nicht angemessen, öffentlich gezeigt zu werden. Die Bilder wurden hinter schweren Vorhängen oder in Kabinetten verborgen und nur dem männlichen Auge präsentiert wie etwa das berühmte Bildnis einer unverhüllten Scham von Gustave Courbet. 152 Jahre dauerte es übrigens, bis der Name des Modells bekannt wurde. Hier also kehrt die Künstlerin die Perspektive um, versteckt die Männer hinter einem roten, archaisch gestalteten Vorhang.
Zentrales Element der Arbeiten, gestalterisches Mittel und inhaltliche Metapher ist das Licht. Sie verbindet handwerkliche Präzision mit erzählerischer Tiefe und zeitgenössischen Fragestellungen. Meisterlich gearbeitet sind ihre Arbeiten dabei klar in der Gegenwart verankert.
Eine Collage aus alten Tapetenresten mit zwei aufgemalten schwarzen Locken den Menschen den Weg weisend! Hier wirkt Kairos, der griechische Gott der guten Gelegenheiten und überraschenden Zufällen. Für mich sinnbildlich das Entree zum künstlerischen Werk von Carsten Ludwig, der vielseitig und medienübergreifend arbeitet – als Zeichner, Maler und in der digitalen Bildbearbeitung. Trotz dieser Vielfalt bleibt seine Handschrift klar erkennbar: Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit Kommunikation und visuellen Zeichensystemen.
Seine Figuren sind stark reduziert, erinnern an Piktogramme und scheinen zunächst eindeutig. Doch dieser Eindruck trügt, wird bewusst unterlaufen. Durch zusätzliche Bildelemente oder ungewöhnliche Kombinationen und Kontexte wird die vermeintliche Klarheit gebrochen, entstehen Mehrdeutigkeiten, die zum Weiterdenken anregen.
Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Körper und Bedeutung, zwischen Handlung und Interpretation. Szenen wirken archaisch oder zeitlos, während Texte oder Anspielungen neue Bedeutungsebenen eröffnen. So entstehen Bilder, entscheidende Momente, die Fragen stellen: Geht es um Stärke oder Last? Um Erkenntnis oder Zufall? Um Bewegung oder Stillstand?
Beispiele reichen vom feuerschlagenden Menschen, dem es vor Stauen die Sprache verschlägt, über den Kopffüßler, jene einfache, universelle Form der kindlichen Darstellung, bis zum „Philosophen auf dem Rad“. Hier bleibt die Bedeutung bewusst offen: Beflügelt die Bewegung das Denken – oder behindert sie es? Ähnlich vieldeutig ist „Den Rücken stärken“ – trägt die Figur die Last der Musikinstrumente oder richtet sie sich durch sie auf?
Sprache und Literatur spielen eine wichtige Rolle: In einer Arbeit versieht er Parfumflaschen mit Versen von Goethe und verwandelt sie so in eine moderne Vanitas-Darstellung. In einer anderen schreibt er händisch mit weißem Stift ganze Textpassagen aus Goethes „Italienische Reise“ auf ein ausgerolltes Videoband – eine fast meditative Auseinandersetzung mit Zeit und Vergänglichkeit.
Viele seiner Werke bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Physis und Psyche, zwischen Bild und Bedeutung. Der Bildintergrund bleibt dabei häufig bewusst offen, diffus, abstrakt, so dass die Figuren wie in einem gedanklichen Zwischenraum erscheinen.
Seine Werke wirken zunächst klar – und entziehen sich dann doch der schnellen Lesbarkeit. Sie fordern dazu auf, genauer hinzusehen und die eigene Interpretation immer wieder zu hinterfragen
Vier künstlerische Positionen, die gerade in ihrer Unterschiedlichkeit überzeugend zusammenwirken!
Oder einfacher gesagt: Wenn Sie glauben, ein Werk sofort verstanden zu haben – gehen Sie ruhig noch einmal näher heran. Wahrscheinlich hat es noch mehr mit Ihnen vor.
Vielleicht möchte es wiederholt betrachtet werden – oder sogar mitgenommen werden. Dafür hätten wir dann die roten Punkte….
In diesem Sinne: Entdecken, vergleichen, hinterfragen – und genießen Sie diesen sonnigen Kunstvormittag.
Den KünstlerInnen einen großen Applaus! Es war mir eine Ehre!
